Titelfoto 1Titelfoto 2Titelfoto 3
Notice: Undefined property: stdClass::$beitrag_freischaltelevel in /home/.sites/4/site1059/web/components/com_pic_places/views/pic_buch/tmpl/default_neu.php on line 353 Notice: Undefined property: stdClass::$beitrag_freischaltelevel in /home/.sites/4/site1059/web/components/com_pic_places/views/pic_buch/tmpl/default_neu.php on line 421 Notice: Undefined property: stdClass::$beitrag_freischaltelevel in /home/.sites/4/site1059/web/components/com_pic_places/views/pic_buch/tmpl/default_neu.php on line 353

Die Eigenjagd Kleinszig (Mösslacher)

Abschrift aus „Chronik der Treffner Gerlitzen-Jagden“ von Otto Zernatto, geschrieben 1952

Die Entstehung der Eigenjagd Kleinszig vermittelt einen interessanten Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Der im Jahre 1822 geborene Stefan Kleinszig – der „alte Kleinszig“ – war Anfang der Vierziegerjahre aus Grahova im Küstenland nach Treffen gekommen. Er war zuerst Almhalter beim Tabojer in der Pölling und lernte erst hier notdürftig deutsch. Später war er als Holzknecht in Afritz beschäftigt. Dort heiratete er die Tochter eines Keuschlers, Anna und beide gingen mitsammen als Köhler Ehepaar in sogenannte „Kohlen-Stör“. Das Holz war damals vollkommen wertlos; die Bauern stellten es gratis zur Verfügung, der Köhler hatte es zu schlägern; den Schlag – damit er als Viehweide anwuchs – aufzuräumen, den Kohlen-Mailer zu bauen und die Verkohlung durchzuführen. Die fertige Kohle wurde dann vom Bauern in die Gewerke nach Seebach oder Buchscheiden gefuhrwerkt und den Erlös teilten sich Bauer und Köhler zur Hälfte. Noch heute erinnern eine Reihe von Kohlplätzen in den Wäldern der Gerlitzen an die damaligen Verhältnisse.

Der Ausbau des Eisenbahnnetzes in Kärnten brachte dann eine Holz-Konjunkur mich sich, da als Bauholz und für Bahnschwellen große Holzmengen gebraucht und gut bezahlt wurden. Die „Südbahn“ Marburg – Klagenfurt – Villach wurde 1863, die „Kronprinz–Rudolf-Bahn“ St. Michael – Feldkirchen – Villach 1868 eröffnet. Der Bau weiterer Strecken nach Spittal/Drau-Franzensfeste und Tarvis-Triest folgte anschließend.

Der „windische Holzknecht“ Stefan Kleinszig erfasste in unserer Gegend als einer von wenigen die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich aus dem Bahnbau ergaben. Er tat sich mit einem zweiten Flitscher Holzknecht zusammen (Tarmann) uind begann die Lieferung von Lärchen-Bahnschwellen. Zu diesem Zweck holten sich die beiden zuerst zwanzig, und schließlich mehr als hundert weitere Holzknechte aus ihrer Heimat. Die Bauern stellten ihnen die Alm-Lärchen gratis zur Verfügung und waren noch froh, dass die Viehweiden auf diese Art „ausgeputzt“ wurden. Die Schwellen wurden an Ort und Stelle behauen. Da dieselben jedoch franko Bahn zu liefern waren, konnte Kleinszig die Bauern noch an den notwendigen Fuhrwerksschichten verdienen lassen, wodurch diese ihm die Lärchen nur umso lieber umsonst gaben.

Die von der Bahn bezahlten Preise waren so hoch und die Kosten so gering, dass Kleinszig in kurzer Zeit zu einem riesigen Vermögen kam.

Er pachtete die Schneeweiß-Säge in Töbring und kaufte anschließend den ganzen Schneeweiß-Hof von der alten „Schneeweißin“, die selbst keine Kinder hatte. Über den Kaufpreis hinaus musste er 4000 Gulden für die Renovierung der Treffner Kirche zahlen (unser Großvater, der Kirchenrestaurator, und der Maler Pirker, führten 1874 die Renovierung durch).

 

 

Zum Schneeweiß-Hof kaufte sich Kleinszig noch das „Klement-Hübl“ (heute Villa Paula) dazu und baute sich dort eine zweite Säge. Auf den beiden Sägen schnitt er das Bauholz und Bretter für die Bahn, welche in diesen Jahren bis Triest fertig gebaut wurde. Da sich nun große Liefermöglichkeiten in die Levante ergaben, machte Kleinszig in Triest einen Holzlagerplatz auf. Sein Vermögen war sprunghaft gewachsen. Man schätzte ihn – der noch immer nicht lesen und schreiben konnte – nach einigen Jahren auf 3 – 4 Millionen Gulden ein.

 

Kleinszig ließ den Schneeweiß-Hof abreißen und baute an dessen Stelle, das Schloß Treffen kopierend, ein neues Haus, riesig und samt Wirtschaftsgebäuden. Aus der Parzellierung des Schloßbesitzes Treffen erstand er eine Reihe von zusätzlichen Grundstücken.

Auf Anraten des Bezirkshauptmannes Weinländer von Villach entschloß er sich auch zum Bau eines großen Hotels am Ossiachersee, nachdem er mit Weinländer vorher eine Reise zum Studium von Fremdenverkehrsunternehmungen in die Schweiz und nach Italien unternommen hatte. Das Hotel wurde an der Südseite des Sees gebaut, weil dort der schönste Strand war. Es erhielt nach Kleinszigs Frau den Namen „Annenheim“.

Für das Hotel wurde eine eigene Haltestelle der „Kronprinz-Rudof-Bahn“ eingerichtet. „Haltestelle Hotel Annenheim“.

Dieser Name wurde später (1908) amtlich auf die ganze Ortschaft am Nordufer des Sees übertragen, die bis dahin „Ober-Sattendorf“ hieß. Der Hotelbau dauerte von 1888 bis Anfang der Neunzigerjahre.

 

Station Annenheim - Sattendorf - alte historische Fotos Ansichten Bilder Aufnahmen Ansichtskarten
um 1895
Station Annenheim - Sattendorf
  Einzelfoto  Kommentieren  
Hotel Annenheim - alte historische Fotos Ansichten Bilder Aufnahmen Ansichtskarten
um 1895
Hotel Annenheim
  Einzelfoto  Kommentieren    Google
 

Schon vorher hatte Stefan Kleinszig auch die „Berger-Hube“ (oberm „Trabojer“ in der Pölling) und ein größeres Gut bei Feldkirchen gekauft. Seinen Sohn Mathias, geb. 1848, hatte er mit Anna, der Tochter des Gutsbesitzers Fasching bei Feldkirchen, verheiratet und ihm aus diesem Anlaß den Schneeweißhof und die Bergerhube in der Pölling übertragen. Mathias Kleinszig wurde mit seiner Frau zur Führung des dortigen Holzgeschäftes nach Triest geschickt. Nach Fertigstellung des Hotels Annenheim kamen die beiden Jungen dann wieder nach Kärnten, um das Hotel zu führen. Es ergaben sich aber ständige Streitigkeiten zwischen Vater und Sohn – nicht nur deshalb, weil der Sohn bei weitem nicht so geschäftssüchtig war, wie „der Alte“, sondern auch deshalb, weil der Vater, damals schon 70-jährig, ein Verhältnis mit einer im Hotel tätigen, sehr tüchtigen Kellnerin angefangen hatte. Er wollte sich scheiden lassen und die Kellnerin, die inzwischen von ihm ein Kind bekommen hatte, heiraten. Die Scheidung scheiterte daran, dass er seiner Frau mangels Ehevertrages die Hälfte des Vermögens hätte vermachen müssen. Nach mehrjährigen Streitigkeiten, in denen Mathias vom Villacher Notar Tschebull sehr geschickt vertreten wurde, kam es schließlich zum Ausgleich zwischen Vater und Sohn: Mathias Kleinszig bekam alle im Bezirk Villach gelegenen Besitzungen, sein Vater aber übersiedelte auf das Feldkirchner Gut. Er hatte inzwischen in Wolschaft bei St. Veit / Glan einen großen Waldbesitz gekauft und schließlich das Schoss Taggenbrunn, wo er sich ein neues Haus baute und als angesehener schwerreicher Mann mit seiner Kellnerin und seinen neuen Kindern seinen Lebensabend verbrachte. Er starb im Jahr 1896.

Mathias Kleinszig blieb als Gutsherr am Schneeweißhof in Töbring und war 1893 bis 1900 Bürgermeister von Treffen. Er war nach ausgelassenem Lebenswandel krank und Kinder blieben im versagt, weshalb er 2 Töchter adoptierte (Paula und Maud).

Durch Ausscheidung seiner Anteile am Pöllinger Alpenwald konnte Mathias Kleinszig seinen Besitz in der Pölling (Berger-Hube) auf 115ha und 72ar vergrößern und das Eigenjagdrecht anmelden. Die Eigenjagd wurde von der BH Villach mit Bescheid vom 21.4.1892 – zum Leidwesen des Grafen Theodor La Tour – anerkannt. Sie vergrößerte sich 1894 durch Zukauf der Tabojer-Hube auf 180 ha.

Mathias Kleinszig starb im Jahre 1900; der Besitz ging auf seine Witwe Anna Kleinszig über. Nach der Heirat von deren Adoptivtochter Maud mit Herrn Max Mößlacher aus Velden wurde die Herrschaft in das gemeinsame Eigentum dieser beiden Übertragen.